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Caritasverband Schaumberg-Blies e.V.

Psychosozialer Dienst

Beratungs- und Behandlungstelle
für Erwachsene mit Suchtproblemen und

Betreutes Wohnen für psychisch kranke Menschen

Gastfamilien für psychisch behinderte Menschen

Hüttenbergstraße 42
66538 Neunkirchen
E-Mail: suchtberatung@caritas-nk.de  
Telefon 06821 / 920 970
Fax: 06821 / 920 944

 
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Beratungs- und Behandlungsstelle für Erwachsene mit Suchtproblemen  

„Er schlüpfte in die Schuhe des Vaters“

Herr Markus L. ist 48 Jahre alt und lebt mit seiner Familie im Kreis Neunkirchen. Die Familie hat 2 Kinder, jeweils 7 und 12 Jahre alt. Herr L. ist selbständiger Unternehmer und betreibt gemeinsam mit seiner Frau einen kleinen Familienbetrieb. Herr L. ist alkoholabhängig und er hat schon mehrere Versuche unternommen, vom Alkohol loszukommen. Hierzu war er schon einmal in einer längeren Entgiftungsbehandlung und danach in einer stationären Maßnahme, die er aber abgebrochen hatte. Herr L. berichtete, dass er sich dort überhaupt nicht wohlgefühlt habe, weil er seine Kinder und seine Frau sehr vermisst habe und insbesondere ständig an seinen Betrieb denken musste und auch hohe finanzielle Verluste dabei erlitten habe. Mit äußerster Anstrengung sei er nach dieser stationären Maßnahme einige Monate abstinent gewesen, aber schließlich sei es doch zu einer 3. Entgiftung gekommen.

Herr L. hatte nunmehr von der Möglichkeit einer ambulanten Rehabilitation beim Caritasverband gehört, war sehr froh über die Möglichkeit, weil er dabei gleichzeitig seiner Arbeit weiter nachgehen kann. Herr L. kümmerte sich sehr zuverlässig um die Vorbereitung, die Einleitung und Beantragung der ambulanten Rehabilitation. Kostenträger war die Deutsche Rentenversicherung Saarland.

In der Behandlung selbst betonte Herr L. insbesondere die dichte und intensive Auseinandersetzung mit seiner Suchtgeschichte durch die regelmäßigen intensiven Einzelgespräche. Die Erfahrungen und Erlebnisse in seinem Alltag konnten direkt in die Behandlung mit einfließen. Herr L. erzählte von seiner Familie.

So war er der älteste von mehreren Geschwistern. Sein Vater sei oft krank gewesen und konnte nur wenig zum Familienunterhalt beitragen. Herr L. schlüpfte sozusagen in „die Schuhe des Vaters“ und übernahm dessen Aufgaben im Betrieb schon mit 11 Jahren. Wenn andere Kinder spielen gegangen sind, habe er abends im Betrieb gearbeitet. Im Grunde genommen sei das bis heute so geblieben. Sein ganzes Leben habe sich um den Erhalt und den Bestand seines Betriebes gedreht. Auch heute noch muss er immer wieder um die Weiterexistenz bangen. Die hohe nervliche Anspannung und den damit verbundenen Stress und Ärger habe er über die Jahre hinweg immer wieder mit Alkohol weggespült. Auch konnte er keine Freundschaften, keine sozialen Beziehungen entwickeln. Es kam auch in der Ehe zu Streitigkeiten.

Hier zeigte sich nun ein weiterer Vorteil der ambulanten Rehabilitation. Seine Ehefrau konnte mit in die Gespräche einbezogen werden. Es fanden mehrfach Partnergespräche statt. Die Ehepartner lernten wieder miteinander zu sprechen und die unterschiedlichen Positionen des anderen zu verstehen. Schwierig wurde es, als Herr L. in etwa der Mitte der ambulanten Rehabilitation alkoholrückfällig wurde. Er dachte, wenn ich schon die Gründe für meine Probleme kenne, kann ich doch wieder reduziert Alkohol trinken. Auch seine Frau glaubte an diese Möglichkeit. Beide merkten aber recht schnell, dass es nicht beim reduzierten Konsum blieb und es nur über den Weg der Alkoholabstinenz für beide zu schaffen ist.

Besonders wertvoll waren für Herrn L. auch die wöchentlichen Gruppensitzungen. Hier konnte er andere Betroffene mit ganz ähnlichen Problemen kennen lernen. Er erfuhr viel darüber, wie sie sich ihren Schwierigkeiten stellten und neue Wege ausprobierten. Mithilfe ihres Verständnisses und ihrer Unterstützung fiel es ihm viel leichter, die eigenen Probleme anzugehen. Auch genoss er es, von seinen Fortschritten in der Gruppe zu erzählen und die Anerkennung der anderen zu erleben, die ja selbst am besten wussten, wie schwierig es war, sein Leben zu verändern und dauerhaft aus dem Suchtkreislauf auszusteigen.

Herr L. konnte in der ambulanten Rehabilitation folgendes lernen:

Er verstand die Gründe und die Ursachen seiner Suchtentwicklung. Er lernte mit den damit verbundenen Gefühlen besser umzugehen. Herr L. will nunmehr abstinent leben und versucht dies nicht mehr, um dem Willen seiner Frau gerecht zu werden. Beide Eheleute können besser miteinander sprechen und die gegenseitigen Positionen besser verstehen. Herr L. lebt zwischenzeitlich stabil alkoholabstinent. Gelegentlich meldet er sich bei uns wieder in der Beratungsstelle. Die gesamte Dauer seiner ambulanten Rehabilitation betrug 18 Monate, insgesamt 110 therapeutische Einheiten.